Die Familiäre Fatale Insomnie ist eine extrem seltene, vererbbare Prionenkrankheit des Gehirns, die durch eine Mutation im PRNP Gen auf Chromosom 20 verursacht wird. Sie führt zu fortschreitender, schließlich absoluter Schlaflosigkeit und neurologischem Verfall mit Muskelzucken, Gangunsicherheit und Halluzinationen. Es gibt derzeit keine Heilung, jede Behandlung ist rein lindernd. Die Erkrankung verläuft immer tödlich, meist innerhalb von 7 bis 30 Monaten.
Was ist Familiäre Fatale Insomnie?
Die Familiäre Fatale Insomnie (Tödliche Familiäre Schlaflosigkeit, Maligne Familiäre Insomnie, Tödliche Familiäre Insomnie) ist eine seltene Form der übertragbaren spongiformen Enzephalopathie, einer durch Prionen ausgelösten Erkrankung. Bei der Familiären Fatalen Insomnie treten folgende Symptome auf:
- Schlafstörung
- autonome Dysregulation
- Muskelzuckungen
- Gangunsicherheit
- kognitiver Abbau
Klinisch zeigen sich eingangs leichte Schlafstörungen, die im weiteren Verlauf zu völliger Schlaflosigkeit eskalieren. Bald treten Probleme bei der Regulierung von Körpertemperatur, Herzfrequenz und Blutdruck hinzu. Es kommt weiters zu Muskelzucken, Gangunsicherheit, Halluzinationen und kognitivem Abbau.
Betroffene leiden schließlich unter Zuständen, in denen sie nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden können (oneiroide Phasen). Im Endstadium fällt der Erkrankte in ein Koma. Die Erkrankung führt meist innerhalb weniger Monate zum Tod.
Wie entsteht Familiäre Fatale Insomnie?
Genetik
Die Familiäre Fatale Insomnie ist eine erbliche Erkrankung. Eine Mutation im Codon 178 des Prionproteingens auf Chromosom 20 (Genlocus 20p13) führt zur Synthese eines falschen Proteins.
Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt, d.h. sowohl ein Vater als auch eine Mutter kann die Mutation an Kinder weitergeben. Die Kinder eines betroffenen Elternteils erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %.
Nahezu dieselbe Mutation findet man übrigens bei der Creutzfeldt Jakob Krankheit. Ob diese Mutation zu Familiärer Fataler Insomnie oder Creutzfeldt Jakob führt, hängt von einer geringfügigen Variation des Priongens ab: Kodiert das Prion-Gen an Codon 129 für die Aminosäure Methionin, so kommt es zu Fataler Insomnie, steht an derselben Stelle der Code für Valin, erkrankt der Träger an Creutzfeldt Jakob.
Fehlgefaltetes Protein
Proteine sind lange Kette aus Aminosäuren. Sie werden in allen Körperzellen benötigt und hergestellt. Damit sie funktionsfähig werden, muss die Aminosäure-Kette erst in die richtige Form gebracht werden. Diese Form bestimmt die biologische Funktion – ein falsch gefaltetes Protein kann unnütz sein oder gar toxisch wirken.
Die letale familiäre Insomnie ist eine Prionenerkrankungen: Das bedeutet, dass aufgrund der Mutation nicht bloß ein Protein mit der falschen Reihenfolge an Aminosäuren hergestellt wird das dann eine falsche Form annimmt, sondern noch schlimmer, dass dieses falsche Protein in einer Kettenreaktion sogar gesunde Proteine in seiner Umgebung dazu bringt, sich ebenfalls in die krankhafte Struktur umzulagern. Die vielen falsch gefalteten Proteine verklumpen und zerstört Nervenzellen.
Das geschieht besonders im Thalamus. Histologische Untersuchungen zeigen im Mikroskop eine starke Abnahme der Nervenzelldichte und später eine narbige Umwandlung (Gliose) der Gehirnrinde. Es kommt schließlich zu einem makroskopisch sichtbaren schwammartigen (spongiformen) Umbau der Hirnsubstanz.
Wer ist betroffen?
Die Familiäre Fatale Insomnie beginnt meist im Alter von 20 bis 70 Jahren, typischerweise im Alter um die 40 Jahre. Männern und Frauen sind gleich häufig betroffen.
Wie häufig ist Familiäre Fatale Insomnie?
Es handelt sich um eine sehr seltene Erkrankung. Die Prävalenz liegt bei weniger als einem Erkrankten pro 1.000.000 Menschen. Weltweit sind nur etwa 50 Familien bekannt, in deren Erbgut dieses Krankheitsbild weitergegeben wird.
Diagnose
Die Diagnose beim Neurologen beginnt mit der Anamnese und Fragen nach charakteristischen Symptomen. Daran anschließend erfolgt eine eingehende neurologische Untersuchung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Sinneswahrnehmungen und Motorik.
Falls hiernach eine Familiäre Fatale Insomnie möglich erscheint, werden zur weiteren apparativen Diagnostik Polysomnographie (Schlaflabor) und Elektroencephalographie (EEG) eingesetzt. Hier erreichen betroffene Schlafstadium 1 und REM-Schlaf nur für kurze Zeitspannen, die tieferen Schlafstadien 2 bis 4 gar nicht mehr – damit übereinstimmend zeigt ein Schlaf-EEG einen zunehmenden Verlust an Delta-Aktivität, dazu Spindeln und K-Komplexe.
Ergänzend wird mittels Positronenemmisionstomographie (PET) eine veränderte Stoffwechselaktivität des Gehirns sichtbar gemacht. Hauptmerkmal ist hier eine oft beidseitig stark verminderte Aktivität (Hypometabolismus) im Thalamus. Die endgültige Diagnose erfolgt durch genetische Tests.
Behandlung
Leider ist die Letale Familiäre Insomnie nicht heilbar. Es gibt auch keine Möglichkeit, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Lediglich einige Symptome, z.B. das Muskelzucken und Halluzinationen, können mit speziellen Medikamenten gelindert werden.
Wann soll ein Neurologe aufgesucht werden?
Bei länger bestehender Schlafstörung, Vergesslichkeit, Muskelzucken und Gangunsicherheit sollte jedenfalls ein Neurologe aufgesucht werden. Gerade weil in den allermeisten Fällen die Gründe dafür weniger schwerwiegend sind als die eben beschriebene Erkrankung, sollten Sie eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung nicht versäumen.

