Gehirnerschütterung

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Georg Dirnberger

Dr. Georg Dirnberger

Priv.-Doz. Mag. Dr. Georg Dirnberger Facharzt für Neurologie & Psychologe

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri, leichtes Schädel-Hirn-Trauma) ist die leichteste Form eines Schädel Hirn Traumas (SHT 1). Sie macht sich durch eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns bemerkbar. Typische Symptome sind:

Für die Zeit unmittelbar vor (retrograd) und nach (anterograd) dem Unfall besteht eine Erinnerungslücke (Amnesie). Die Amnesie erstreckt sich meist über eine maximale Zeitspanne von 15 Minuten vor dem Unfall bis eine halbe Stunde nach dem Erwachen. Neben Schwindel und Benommenheit sind Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit weitere mögliche vegetative Symptome.

Der Kopfschmerz vergeht meist innerhalb weniger Tage. In Abhängigkeit von der Schwere des Traumas kann die vegetative Symptomatik noch Tage bis Wochen nach dem Unfallereignis anhalten (postkommotionelles Syndrom).

Wie kommt es zu einer Gehirnerschütterung?

Unser Gehirn wird doppelt geschützt: Im Inneren der knöchernen Schädelkapsel schwimmt es schwerelos im sogenannten Liquor (Nervenwasser) ohne den umliegenden Knochen zu berühren. Diese Lagerung schützt vor alltäglichen Erschütterungen.

Bei einer Gehirnerschütterung führt freilich ein extrem starker Stoß dazu, dass das Gehirn von innen gegen die harte Schädelwand prallt. Obwohl daraus keine sichtbaren Verletzungen resultieren, kommt es dadurch zu einer vorübergehenden Störung der Gehirnfunktionen.

Wie häufig ist eine Gehirnerschütterung?

Gehirnerschütterungen sind sehr häufig. In Österreich erleiden jährlich etwa 30.000 Menschen eine Gehirnerschütterung. Die Dunkelziffer ist hoch: Manche Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie eine Gehirnerschütterung hatten, und andere gehen trotz ihrer Vermutung nicht zum Arzt. Es wird geschätzt, dass etwa jede dritte bis vierte Person in ihrem Leben eine Gehirnerschütterung erleidet.

Wer ist betroffen?

Kinder, ältere Menschen und Personen die risikoreiche Sportarten ausüben sind besonders häufig betroffen. Auch Frauen erleiden Gehirnerschütterungen etwas öfter als Männer.

Wie wird eine Gehirnerschütterung diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, in der Betroffene den Hergang und ihre Symptome genau schildern. Das ist sehr wichtig, um eine Gehirnerschütterung von etlichen anderen möglichen Erkrankungen abzugrenzen. Da der Patient ja definitionsgemäß bewusstlos war, können Augenzeugen hier wichtige Information beitragen.

In der folgenden neurologische Untersuchung (Status) untersucht der Neurologe selbst auf kleinste Defizite in Sprache, Motorik und Sensibilität. Per Definition muss dieser Status unauffällig sein, sonst handelte es sich um keine Gehirnerschütterung sondern eine schwerwiegendere Erkrankung.

Bei besonderen Verdachtsmomenten wird schließlich noch eine bildgebende Diagnostik mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MR) angeschlossen, worin sich bei einer Gehirnerschütterung keine Auffälligkeiten zeigen dürfen.

Behandlung der Gehirnerschütterung

Der Zustand der verunfallten Person kann sich anfangs schnell ändern, beispielsweise kann es zu Komplikationen wie einer Hirnblutung kommen. Betroffene müssen deshalb für 24 Stunden überwacht werden, vorsichtshalber im Krankenhaus. Ist ein Patient über 60 Jahre alt oder geschah die Gehirnerschütterung nach Alkohol- oder Drogenkonsum, so besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und die engmaschige Überwachung ist besonders wichtig.

Auch hernach braucht das Gehirn noch Zeit zur Erholung. Die Behandlung besteht deshalb aus viel Ruhe, besonders in den ersten drei Tagen – mit ausreichend Schlaf, wenig körperlicher und geistiger Anstrengung sowie kaum äußeren Reizen. Für diesen Zeitraum wird zudem empfohlen, nicht allein zu Hause zu bleiben. Kopfschmerz wird mit Analgetika behandelt. Lassen die Beschwerden nicht nach oder verschlechtern sich sogar, wird dringend geraten, wieder ins Krankenhaus zu fahren.

Nach dreitägiger Erholung kann man langsam wieder alltägliche Aktivitäten wie Hausarbeit oder Autofahren aufnehmen. Auch zur Arbeit zu gehen ist dann wieder möglich.

Alarmzeichen

Tritt in der Beobachtungsphase nach einer Gehirnerschütterung eines der folgenden Symptome auf, besteht das Risiko einer schwerwiegenderen Erkrankung:

Es ist dann eine sehr rasche neurologische Kontrolle nötig!

Differentialdiagnosen

Langfristige Folgen und Komplikationen

Wenn Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörung oder erhöhte Reizbarkeit länger als drei Monate anhalten, spricht man von einem postkommotionellen Syndrom.

Nach wiederholten Gehirnerschütterung entwickeln manche Patienten ein Boxerdemenz (Chronische Traumatische Enzephalopathie). Auch eine Assoziation von mehrfachen Gehirnerschütterungen mit später gehäuftem Auftreten von Depression oder der Parkinson Krankheit wurde beschrieben.

Vorbeugung

Es gibt Schutzmaßnahmen, die das Risiko für Kopfverletzungen in Freizeit und Sport senken können, beispielsweise das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren und anderen mit Risiken verbundenen Sportarten.

Im Alter ist es wichtig, Stürzen vorzubeugen – zum Beispiel durch das Beseitigen von Stolperfallen in der häuslichen Umgebung.

Häufig gestellte Fragen

  • Was ist eine Gehirnerschütterung?

    Als Gehirnerschütterung bezeichnet man eine vorübergehende Beeinträchtigung der Gehirnfunktion infolge eines stumpfen Schädeltraumas.

  • Wie äußert sich eine Gehirnerschütterung?

    Die typischen Krankheitszeichen sind Kopfschmerz, Bewusstlosigkeit von meist weniger als 15 Minuten, Erinnerungslücke (Amnesie) und vegetative Symptome wie Schwindel oder Benommenheit.

  • Wie kommt es zu einer Gehirnerschütterung?

    Stürze sind die häufigste Ursache für Gehirnerschütterungen. Auch bei Verkehrs- und Sportunfällen kommt es häufig dazu.

  • Wie häufig ist eine Gehirnerschütterung?

    Gehirnerschütterungen sind häufig. Etwa jeder dritte bis vierte Mensch erleidet in seinem Leben eine Gehirnerschütterung.

  • Welche Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für Gehirnerschütterungen?

    Sportler, Kinder und ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko.

  • Wie wird die Diagnose Gehirnerschütterung erstellt?

    Die Diagnose einer Gehirnerschütterung erfolgt durch einen Neurologen nach ausführlicher Befragung (Anamnese) und eingehender Untersuchung (Status), mitunter nach ergänzender bildgebender Diagnostik (CT oder MR des Gehirns).

  • Ist eine Gehirnerschütterung heilbar?

    Eine Gehirnerschütterung ist in den allermeisten Fällen vollständig heilbar. Bei Befolgung der empfohlenen Ruhe klingen die Beschwerden in der Regel innerhalb weniger Wochen von selbst ab. Normalerweise bleibend keine Defizite zurück.

  • Gibt es bleibende Folgen?

    Selten ja. Bei ca. 20% der Betroffenen können Beschwerden länger anhalten (postkommotionelles Syndrom). Wiederholte Gehirnerschütterungen können sogar schwerere Folgen wie Demenz und Depression nach sich ziehen.

  • Was geschieht, wenn eine Gehirnerschütterung unbehandelt bleibt?

    Wird eine Gehirnerschütterung nicht behandelt, besteht ein erhöhtes Risiko, dass die funktionellen Störungen des Gehirns nicht ausheilen und es zu akuten oder chronischen Folgeschäden kommt.

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