Eine Gehirnerschütterung ist eine vorübergehende Störung der geistigen Funktionsfähigkeit und des Bewusstseins, die durch eine Kopfverletzung verursacht wurde. Der Bewusstseinsverlust beträgt max. 30 Minuten, dazu kommt eine kurze Amnesie – der Unfallhergang ist nicht erinnerlich. Kopfschmerz, Schwindel und allgemeine Schwäche können hinzutreten. Am Gehirn ist kein sichtbarer Schaden festzustellen. Betroffene erholen sich meist rasch ohne bleibende Schäden.
Was ist eine Gehirnerschütterung?
Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri, leichtes Schädel-Hirn-Trauma) ist die leichteste Form eines Schädel Hirn Traumas (SHT 1). Sie macht sich durch eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns bemerkbar. Typische Symptome sind:
- Kopfschmerz
- kurzer Bewusstseinsverlust (unter 30 min)
- Amnesie (Gedächtnisverlust)
- Schwindel / Übelkeit
Für die Zeit unmittelbar vor (retrograd) und nach (anterograd) dem Unfall besteht eine Erinnerungslücke (Amnesie). Die Amnesie erstreckt sich meist über eine maximale Zeitspanne von 15 Minuten vor dem Unfall bis eine halbe Stunde nach dem Erwachen. Neben Schwindel und Benommenheit sind Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit weitere mögliche vegetative Symptome.
Der Kopfschmerz vergeht meist innerhalb weniger Tage. In Abhängigkeit von der Schwere des Traumas kann die vegetative Symptomatik noch Tage bis Wochen nach dem Unfallereignis anhalten (postkommotionelles Syndrom).
Wie kommt es zu einer Gehirnerschütterung?
Unser Gehirn wird doppelt geschützt: Im Inneren der knöchernen Schädelkapsel schwimmt es schwerelos im sogenannten Liquor (Nervenwasser) ohne den umliegenden Knochen zu berühren. Diese Lagerung schützt vor alltäglichen Erschütterungen.
Bei einer Gehirnerschütterung führt freilich ein extrem starker Stoß dazu, dass das Gehirn von innen gegen die harte Schädelwand prallt. Obwohl daraus keine sichtbaren Verletzungen resultieren, kommt es dadurch zu einer vorübergehenden Störung der Gehirnfunktionen.
Wie häufig ist eine Gehirnerschütterung?
Gehirnerschütterungen sind sehr häufig. In Österreich erleiden jährlich etwa 30.000 Menschen eine Gehirnerschütterung. Die Dunkelziffer ist hoch: Manche Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie eine Gehirnerschütterung hatten, und andere gehen trotz ihrer Vermutung nicht zum Arzt. Es wird geschätzt, dass etwa jede dritte bis vierte Person in ihrem Leben eine Gehirnerschütterung erleidet.
Wer ist betroffen?
Kinder, ältere Menschen und Personen die risikoreiche Sportarten ausüben sind besonders häufig betroffen. Auch Frauen erleiden Gehirnerschütterungen etwas öfter als Männer.
Wie wird eine Gehirnerschütterung diagnostiziert?
Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, in der Betroffene den Hergang und ihre Symptome genau schildern. Das ist sehr wichtig, um eine Gehirnerschütterung von etlichen anderen möglichen Erkrankungen abzugrenzen. Da der Patient ja definitionsgemäß bewusstlos war, können Augenzeugen hier wichtige Information beitragen.
In der folgenden neurologische Untersuchung (Status) untersucht der Neurologe selbst auf kleinste Defizite in Sprache, Motorik und Sensibilität. Per Definition muss dieser Status unauffällig sein, sonst handelte es sich um keine Gehirnerschütterung sondern eine schwerwiegendere Erkrankung.
Bei besonderen Verdachtsmomenten wird schließlich noch eine bildgebende Diagnostik mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MR) angeschlossen, worin sich bei einer Gehirnerschütterung keine Auffälligkeiten zeigen dürfen.
Behandlung der Gehirnerschütterung
Der Zustand der verunfallten Person kann sich anfangs schnell ändern, beispielsweise kann es zu Komplikationen wie einer Hirnblutung kommen. Betroffene müssen deshalb für 24 Stunden überwacht werden, vorsichtshalber im Krankenhaus. Ist ein Patient über 60 Jahre alt oder geschah die Gehirnerschütterung nach Alkohol- oder Drogenkonsum, so besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und die engmaschige Überwachung ist besonders wichtig.
Auch hernach braucht das Gehirn noch Zeit zur Erholung. Die Behandlung besteht deshalb aus viel Ruhe, besonders in den ersten drei Tagen – mit ausreichend Schlaf, wenig körperlicher und geistiger Anstrengung sowie kaum äußeren Reizen. Für diesen Zeitraum wird zudem empfohlen, nicht allein zu Hause zu bleiben. Kopfschmerz wird mit Analgetika behandelt. Lassen die Beschwerden nicht nach oder verschlechtern sich sogar, wird dringend geraten, wieder ins Krankenhaus zu fahren.
Nach dreitägiger Erholung kann man langsam wieder alltägliche Aktivitäten wie Hausarbeit oder Autofahren aufnehmen. Auch zur Arbeit zu gehen ist dann wieder möglich.
Alarmzeichen
Tritt in der Beobachtungsphase nach einer Gehirnerschütterung eines der folgenden Symptome auf, besteht das Risiko einer schwerwiegenderen Erkrankung:
- verstärkter Kopfschmerz
- erneute Bewusstlosigkeit
- Erbrechen
- unnatürliche Müdigkeit
- Krampfanfälle
- Sehstörung
- Empfindungsstörung
- Lähmungen
Es ist dann eine sehr rasche neurologische Kontrolle nötig!
Differentialdiagnosen
- Epiduralhämatom
- Subarachnoidalblutung
- Krampfanfall / Epilepsie
Langfristige Folgen und Komplikationen
Wenn Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörung oder erhöhte Reizbarkeit länger als drei Monate anhalten, spricht man von einem postkommotionellen Syndrom.
Nach wiederholten Gehirnerschütterung entwickeln manche Patienten ein Boxerdemenz (Chronische Traumatische Enzephalopathie). Auch eine Assoziation von mehrfachen Gehirnerschütterungen mit später gehäuftem Auftreten von Depression oder der Parkinson Krankheit wurde beschrieben.
Vorbeugung
Es gibt Schutzmaßnahmen, die das Risiko für Kopfverletzungen in Freizeit und Sport senken können, beispielsweise das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren und anderen mit Risiken verbundenen Sportarten.
Im Alter ist es wichtig, Stürzen vorzubeugen – zum Beispiel durch das Beseitigen von Stolperfallen in der häuslichen Umgebung.

