Meningeom

Inhaltsverzeichnis:
Georg Dirnberger

Dr. Georg Dirnberger

Priv.-Doz. Mag. Dr. Georg Dirnberger Facharzt für Neurologie & Psychologe

Was ist ein Meningeom?

Gehirn und Rückenmark werden von einer schützenden Membran umgeben, den sogenannten Meningen (Gehirnhäuten). Tumoren, die in entarteten Zellen der Meningen ihren Ursprung nehmen, werden als Meningeome bezeichnet. Meningeome sind meist gutartige, langsam wachsende Tumore.

Kleine Tumore unter 2 cm sind in der Regel Zufallsbefunde, die keine Symptome verursachen. Größere Tumore können je nach Größe und Lage Symptome verursachen.

Typische Beschwerden

Typische Symptome bei Meningeomen sind Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Krampfanfälle, Seh- oder Bewegungsstörungen. Diese Beschwerden und ihr Zustandekommen werden unter Gehirntumore näher erläutert.

Meist gutartiger Tumor

Der sogenannte WHO-Grad bemisst, wie sehr sich Tumorzellen von gesundem Gewebe unterscheiden und wie häufig sie sich teilen. Bei Meningeomen unterscheidet man:

  • Grad 1: benigne “pleomorphe” Meningeome
  • Grad 2: atypische Meningeome
  • Grad 3: anaplastische Meningeome

Meningeome sind die häufigsten gutartigen intrakraniellen Tumore. Während 85 % benigne sind, finden sich etwa 10% atypische und max. 5% anaplastische Meningeome.

Über Jahre können sich gutartige Meningeome freilich zu WHO Grad 2 oder 3 bösartig verändern und dann aggressiver weiterwachsen. Deshalb sind rechtzeitige Diagnose, Beobachtung und erforderlichenfalls Therapie wichtig.

Ursachen des Meningeoms

Meningeome bestehen aus krankhaft veränderten Zellen der Arachnoidea, einer speziellen Schicht der Gehirnhäute. Häufig finden sich chromosomale Aberrationen an Chromosom 22 mit Inaktivierung des NF2-Gens. Die genauen Ursachen der krankhaften Zelltransformation sind zurzeit unbekannt.

Besonderheiten

Da Meningeome oft Hormonrezeptoren z. B. für Progesteron oder Östrogen besitzen, können sie bei hormonellen Schwankungen, etwa in der Schwangerschaft, schneller wachsen.

Wer ist betroffen?

Meningeome betreffen meist ältere Personen. Frauen haben wegen der Hormonrezeptoren ein höheres Risiko als Männer. Ein beeinflussbarer Risikofaktor ist die vorangegangene Bestrahlung des Kopfs mit Röntgen- oder Gammastrahlen. Meningeome treten außerdem bei Patienten mit Neurofibromatose, einer seltenen Erbkrankheit, gehäuft auf.

Wie häufig sind Meningeome?

Meningeome betreffen pro Jahr ca. 10 pro 100.000 Personen.

Wie werden Meningeome diagnostiziert?

Am Beginn steht eine eingehende Anamnese und neurologische Untersuchung, bei erhärtetem Verdacht gefolgt von bildgebender Diagnostik wie Magnetresonanztomografie (MR) oder Computertomografie (CT). Ist die Diagnose gesichert, kann hernach je nach Lage, Größe und Beschwerdebild das Meningeom i.R. regelmäßiger Kontroll-Bildgebung beobachtet oder rasch operiert werden.

Therapie des Meningeoms

Nicht alle Meningeome müssen behandelt werden. Ist eine Operation erforderlich, so sollte sie aber rasch durchgeführt werden. Ziel ist die komplette Resektion des Tumors ohne hierbei wichtige Gehirnfunktionen zu beeinträchtigen. Tumorlage, Tumorgröße und Wünsche des Patienten werden berücksichtigt. Weitere Behandlungsmaßnahmen sind meist nicht nötig.

Prognose

Die Prognose für Meningeome ist ausgezeichnet, da über 90 % gutartig sind und nach vollständiger operativer Entfernung als geheilt gelten.

Meningeome in meiner neurologischen Praxis

Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen

Eine 71-jährige Patientin suchte mich wegen langsam progredienter Vergesslichkeit und Konzentrationsdefiziten auf. Im Detail beschrieb die Patientin ausgeprägte Wortfindungsstörungen, das Gedächtnis für Ereignisse der jüngeren Vergangenheit (welches i.R. der Alzheimerschen Erkrankung beeinträchtigt ist) wäre jedoch nicht betroffen. Die Beschwerden bestanden seit sechs Jahren.

In der neurologischen Untersuchung und psychiatrischen Exploration bestätigten sich ausgeprägte Wortfindungsstörungen, auch schien das Wortverständnis vermindert. Zudem zeigte sich eine linksbetonte Hörminderung. Ansonsten war die Patientin in alle anderen Hirnnervenfunktionen, Gang, Motorik und Sensibilität unauffällig.

Zur weiteren Abklärung wies ich zu einer neuropsychologischen Testung, einer Bildgebung des Gehirns, umfassenden Blutuntersuchungen und einer HNO-Abklärung zu. Während Blut und HNO keinen pathologischen Befund ergaben, zeigte die Neuropsychologie eine selektive Minderung des verbalen Gedächtnisses bei sonst unauffälliger Leistung, die Magnetresonanztomographie ein links frontales Meningeom von 3.0 x 3.5 x 3.5 cm mit ausgedehntem Ödem.

Das Meningeom erklärte die Beschwerden: Bei Rechtshändern wie der Patientin sind die Gehirnareale zum Verstehen und Sprechen in der linken Hemisphäre lokalisiert, Tumor und Ödem drückten auf diese Zentren und hatten so selbige Funktionen beeinträchtigt.

Da das Meningeom die Gehirnleistung der Patientin beeinträchtigte, war eine Operation notwendig. Wenige Monate später wurde die Patientin neurochirurgisch operiert. Seit der Operation ist sie beschwerdefrei.

Wann soll ich einen Neurologen aufsuchen?

Sie sollten einen Neurologen konsultieren, wenn Sie an Kopfschmerz, Bewusstseinstrübungen, unerklärter Müdigkeit, Seh- oder Hörstörungen leiden. Ebenso sollte bei Gedächtnisproblemen, Sprachschwierigkeiten, motorischen Ausfällen oder Missempfindungen eine neurologische Abklärung eingeleitet werden.

Häufig gestellte Fragen

  • Was ist ein Meningeom?

    Ein Meningeom ist einer der häufigsten intrakraniellen Tumore. Typischerweise wachsen Meningeome langsam.

  • Wie entsteht ein Meningeom?

    Meningeome entstehen aus Zellen der Hirnhäute, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Statistisch kann ihre Entstehung durch genetischer Veranlagung, familiäre Vorbelastung und Strahlenexposition begünstigt werden.

  • Welche Beschwerden treten typischerweise auf?

    Typische Symptome eines Meningeoms sind Kopfschmerz, Übelkeit, Müdigkeit, Krampfanfälle und Sehstörungen. Gleichermaßen kann es zu einer Wesensänderung, Hörminderung, Lähmung oder Empfindungsstörung kommen. Viele Betroffene bleiben freilich beschwerdefrei.

  • Wer ist betroffen?

    Das Meningeom ist der häufigste intrakranielle Tumor bei älteren Erwachsen. Frauen erkranken häufiger an Meningeomen als Männer.

  • Sind Meningeome erblich?

    Es gibt seltene Syndrome wie Neurofibromatose, die eine stark erhöhtes Risiko für Meningeome mit sich bringen. Die meisten Meningeome haben jedoch keine erbliche Komponente.

  • Wie häufig sind Meningeome?

    Meningeome betreffen pro Jahr ca. 10 von 100.000 Menschen.

  • Wie wird die Diagnose Meningeom erstellt?

    Die Diagnose eines Meningeoms erfolgt in mehreren Schritten, beginnend mit Anamnese und neurologischen Untersuchungen bis hin zu bildgebenden Verfahren.

  • Muss jedes Meningeom behandelt werden?

    Nein. Je nach Lage und Größe kann oft abgewartet werden bzw. stellt sich nach Beobachtung heraus, dass eine Operation gar nicht erforderlich ist.

  • Sind Meningeome heilbar?

    Ja, meist sind Meningeome durch Operation gut heilbar. Lage und Größe sind dabei entscheidend. Wichtig ist, einen rasch(er) wachsenden Tumor zu erkennen und dann rechtzeitig zu operieren bevor er größeren Schaden anrichten kann.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    An erster Stelle steht die Operation. Nur sehr selten sind Strahlen- oder Chemotherapie erforderlich.

  • Was geschieht, wenn ein Meningeom unbehandelt bleibt?

    Je nach genauem Typ des Tumors geschieht gar nichts, erleidet der Patient bleibende Schäden oder verstirbt.

Weitere neurologische Erkrankungen & Ratgeber

Entdecken Sie weitere Fachartikel sowie Information zu neurologischen Erkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten - aus meiner neurologischen Praxis in Wien.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Surferlebnis zu optimieren und die ordnungsgemäße Funktion der Website sicherzustellen. Durch die weitere Nutzung dieser Seite akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Alle akzeptieren Nur erforderliche akzeptieren